Medizin | Pflege

Station für Demenzkranke – ein transsektorales Projekt

Etwa jeder zehnte Patient, der im Evangelischen Krankenhaus Mettmann aufgenommen wird, hat demenzielle Begleiterscheinungen, die sich leider während des Krankenhausaufenthaltes oft noch verschlechtern. Mit dem Projekt »Station Vitalis« hat das EVK ein Netzwerk aufgebaut, das die stationären und nachstationären Behandlungsprozesse gezielt verbessert.

Der Krankenhausplan des Landes Nordrhein-Westfalen sieht vor, im Rahmen des Geriatriekonzeptes eine sektorenübergreifende und abgestufte Versorgung von geriatrischen Patienten sicherzustellen. Krankenhäuser mit geriatrischen Fachabteilungen sollen mit anderen Krankenhäusern ohne Geriatrie kooperieren. Berücksichtigt man jedoch die Patientenstruktur in den allgemeinen Krankenhäusern, so sind mindestens 30 bis 40 Prozent aller Patienten potenziell geriatrische Patienten.

Die Kapazitäten, um diese Patienten ausschließlich in geriatrischen Abteilungen zu versorgen, sind nicht vorhanden und auch seitens der Kostenträger nicht erwünscht. Aus diesem Grund sollte ein Konzept für Allgemeine Krankenhäuser – insbesondere der Grund- und Regelversorgung – ohne eine geriatrische Abteilung entwickelt werden, um die Behandlung somatischer Patienten mit kognitiven Beeinträchtigungen als Nebendiagnose deutlich zu optimieren.

Jessica Llerandi Pulido

Leitung Unternehmensentwicklung

Evangelisches Krankenhaus Mettmann

Innovatives Konzept für Krankenhäuser ohne geriatrische Abteilung

Mit dem Aufbau der Station Vitalis hat das EVK Mettmann in den vergangenen zwei Jahren ein innovatives Konzept mit einem einheitlichen pflegerischen und ärztlichen Behandlungsstandard in der Versorgung kognitiv beeinträchtigter Patienten umgesetzt.

Der Umgang mit diesen Patienten stellt für das Personal besondere Herausforderungen dar, auf die Akutkrankenhäuser nicht vorbereitet sind. Auf internistischen und chirurgischen Stationen der Krankenhäuser gibt es kaum Krankenpflegekräfte, die für die spezielle Betreuung von Patienten mit altersbedingten kognitiven Beeinträchtigungen qualifiziert sind. Die Umsetzung einer solchen Station als transsektorales Modell führt zu einer Verbesserung der medizinischen, pflegerischen und psychosozialen Versorgung und fördert zugleich die Maßgaben zur Zusammenarbeit zwischen den Sektoren (nach SGB V und SGB XI).

»Wir sehen unsere Station Vitalis mit ihrem transsektoralen Konzept als wichtige Perspektive, um die demographischen Problematiken im Bereich der konkret zu erwartenden Personalstrukturen zu bewältigen«, erläutert Geschäftsführer Bernd Huckels. Ein Mix aus Pflegekräften – sowohl aus den Bereichen Krankenhaus und Altenpflege, wie auch Ehrenamtlichen und Alltagsbegleitern – stelle eine Lösung dar, um auch in Zukunft ausreichende und qualifizierte personelle Ressourcen zur Verfügung zu halten. Insbesondere im Bereich der Aufnahme und Entlassung kann durch eine Lotsenfunktion der Hausärzte die Koordination mit den weiterbehandelnden Ärzten und den Pflegeeinrichtungen verbessert werden und eine effiziente Schnittstelle geschaffen werden.

Im Rahmen von Qualitätszirkeln zwischen Klinik und niedergelassenen Ärzten sowie monatlichen Fallbesprechungen sollen zeitnah Anpassungen von Prozessen bei möglichen Problemen vorgenommen werden. Ziel ist es, dazu beizutragen, dass die Behandlungsprozesse entsprechend dieser spezifischen Ausrichtung und den daraus resultierenden Erfordernissen strukturiert werden, um im weiteren Verlauf realisierbare Veränderungsprozesse zu erproben. Die Versorgung nach der Entlassung wird ebenfalls aus dem Akutkrankenhaus effizient geleitet. Dazu ist eine Zusammenarbeit im Netzwerk zwischen Kliniken, Rehabilitationseinrichtungen sowie Fach- und Hausärzten unabdingbar.

12 | 2016
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