Medizin | Pflege

Reorganisation der Zentralen Notaufnahme in Gütersloh umgesetzt

Das Patientenaufkommen in Zentralen Notaufnahmen nimmt deutschlandweit kontinuierlich zu. Optimale Prozesse und Strukturen sind die Grundvoraussetzung, um diese Patienten gut, sicher und mit möglichst geringen Wartezeiten zu versorgen. Aus diesem Grund hat das Klinikum Gütersloh ein umfassendes Reorganisationsprojekt der Zentralen Notaufnahme durchgeführt.

»Zielsetzung des Projekts war es zum einen, die Qualität und Interdisziplinarität der Patientenversorgung sowie die Zusammenarbeit mit Schnittstellen wie Einweisern, Notärzten und dem Rettungsdienst zu optimieren. Zum anderen wollten wir aber auch die Patienten- und Mitarbeiterzufriedenheit verbessern und Wartezeiten reduzieren«, erläutert Maud Beste, Geschäftsführerin des Klinikums Gütersloh. »Auch die Kosten für die Zentrale Notaufnahme sollten in diesem Zuge analysiert und möglichst reduziert werden.«

Darüber hinaus sollten Maßnahmen umgesetzt werden, um die Voraussetzungen des gemeinsamen Bundesausschusses für die zweite Stufe »Erweiterte Notfallversorgung« zu erfüllen. Viele dieser geforderten Voraussetzungen wurden vom Klinikum Gütersloh bereits erfüllt, so unter anderem das Fachabteilungsspektrum, die Anzahl der Intensivbetten und die medizinisch-technische Ausstattung. Alle weiteren wurden im Zuge der Umstrukturierung der ZNA inzwischen umgesetzt.

Marie-Kristin Schönknecht

Referentin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Klinikum Gütersloh

Wir wollten die Patienten- und Mitarbeiterzufriedenheit verbessern und Wartezeiten reduzieren

Etablierung Manchester-Triage-System

So wurde zum Beispiel das Manchester-Triage-System in der Notaufnahme eingeführt. »Mit diesem international anerkannten System wird nach einer Eingangsuntersuchung die Behandlungsdringlichkeit aller Patienten, die die Notaufnahme aufsuchen, festgelegt«, erklärt Dr. Veena Mohan, Ärztliche Leiterin der ZNA. So werde sichergestellt, dass die Reihenfolge der Behandlung sicher und nachvollziehbar nach Erkrankungsschwere erfolgt:

»Ein Patient mit der fünften und damit letzten Dringlichkeitsstufe beispielsweise muss dann warten, wenn ein anderer Patient schwerer erkrankt oder verletzt ist und zuerst behandelt werden muss, und bekommt dies auch entsprechend erklärt«, so Dr. Mohan.

Ergebnis: Durch die Einführung des Triage-Systems konnte die Patientensicherheit gesteigert werden. Darüber hinaus gibt es eine höhere Akzeptanz von Wartezeiten bei den Patientinnen und Patienten. Bagatellfälle können seitdem zielgerichteter auf die KV-Notfallpraxis am Haus oder auf die Haus- und Fachärzte verwiesen werden.

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Steigerung der Patientensicherheit
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zielgerichteter Umgang mit leichten Fällen
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höhere Akzeptanz von Wartezeiten

Aufnahmestation

Auch die Verlagerung einer Aufnahmestation mit sechs Betten direkt in die Zentrale Notaufnahme war ein weiterer Baustein der Restrukturierung. Hier können Notfallpatienten aufgenommen werden, deren Behandlungsweg medizinisch und organisatorisch geklärt werden muss. »Die Notfallpatienten verbleiben in der Regel unter 24 Stunden auf dieser Station und werden dann in die ambulante Versorgung entlassen oder auf eine unserer chirurgischen oder internistischen Stationen verlegt«, erklärt Andrea Eickhoff, Pflegedirektorin im Klinikum Gütersloh.

Ergebnis: Über das Monitoring werden kurzzeitstationäre Patienten überwacht und bei einer mindestens sechsstündigen Überwachung können diese Patienten mittlerweile auch kurzzeitstationär abgerechnet werden. In der Vergangenheit wurden diese Patienten bei fehlenden Überwachungskapazitäten aus der Notaufnahme ambulant entlassen und als ambulanter Notfall abgerechnet.

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Aufnahmestation mit sechs Betten bringt Entlastung
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Monitoring für kurzzeitstationäre Patienten
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klare Abrechnungsmodalität

Ärztliche Leitung der Zentralen Notaufnahme (ZNA)

Darüber hinaus wurde mit Dr. Veena Mohan eine neue Stelle als Ärztliche Leitung der ZNA besetzt. Die Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie übernimmt die organisatorische Gesamtverantwortung, Leitung und Weiterentwicklung der ZNA als Stabsstelle der Geschäftsführung.

Ergebnis: Durch die organisatorische und medizinische Leitung konnten Prozess- und Strukturveränderungen deutlich schneller umgesetzt werden. Darüber hinaus war es durch eine zusätzliche Fachärztin deutlich seltener erforderlich, sich von der Notfallversorgung abzumelden. Die Anzahl der behandelten Patienten ist signifikant gestiegen. Die Wahrnehmung des Klinikums als Notfallstandort in den Augen der Feuerwehr und Rettungsdienste hat sich erheblich verbessert, was an dem deutlichen Anstieg von stationären Notfällen abzulesen ist.

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neue Stelle
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Prozess- und Strukturoptimierung
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Anstieg der behandelten Patienten
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Wahrnehmung des Klinikums als Notfallstandort

Einführung des NIDA-Systems im Rettungsdienst

Dank einer Spende der Bürgerstiftung Gütersloh konnte zudem die digitale Kommunikation des Rettungsdienstes im Kreis Gütersloh mit den Gütersloher Krankenhäusern verbessert werden: Seit Herbst 2018 wurden alle Rettungsfahrzeuge im Kreis mit speziellen Tablets ausgestattet, mit denen wichtige Patientendaten digital in die Kliniken übermittelt werden können, noch bevor der Patient dort eintrifft. Anders als früher, als Informationen noch handschriftlich oder per Telefon durchgegeben wurden, können mit dem neuen System beispielsweise auch EKGs sowie Fotos von einer Verletzung oder vom Unfallort gesendet werden.

Ergebnis: Das Krankheitsbild kann schon vor dem Eintreffen des Patienten eingeschätzt und entsprechende Vorbereitungen getroffen werden: Ärzte- und Pflegeteams können früher zusammengestellt werden und die Verfügbarkeit von Schockräumen oder Computertomographen können überprüft und sichergestellt werden.

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Verbesserung der digitalen Kommunikation mit dem Rettungsdienst
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frühzeitige Einschätzung des Krankheitsbildes schon vor Eintreffen des Patienten
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Optimierung von Abläufen, Mitarbeitern und Ressourcen

Reorganisation der ZNA – das Resüme

Insgesamt sei das Reorganisationsprojekt in der Zentralen Notaufnahme als enormer Erfolg zu werten, so Maud Beste: »Durch die vielen großen und kleinen Stellschrauben, an denen das Projektteam und alle Mitarbeiter der ZNA in den letzten Jahren und Monaten gedreht haben, haben wir einen deutlich größeren Patientenzulauf bei gleichzeitig verbesserter Prozessorganisation. Die Abmeldungen von der Notfallversorgung sind spürbar zurückgegangen und auch die Rückmeldungen vom Rettungsdienst sind äußert positiv. Durch eine intensive Kostenanalyse und die Verbesserung der Abrechnung konnten wir zudem höhere Erlöse erzielen. Durch die Bündelung dieser Maßnahmen im Rahmen eines Gesamtprojekts hat sich die Zentrale Notaufnahme von einem ‚Stiefkind’ zu einem echten Innovationsmotor für das gesamte Klinikum entwickelt und es macht Freude, zu sehen, dass auch weiterhin Ideen geboren und verfolgt werden, weil der Bereich einen guten ‚Drive’ hat.«

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größerer Patientenzulauf bei gleichzeitig verbesserter Prozessorganisation
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Abmeldungen von der Notfallversorgung spürbar zurückgegangen
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positive Rückmeldungen des Rettungsdienstes
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höhere Erlöse durch optimierte Kostenanalyse

12 | 2019
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