Medizin | Pflege

Rationaler Einsatz von Antibiotika – eine Gemeinschaftsaufgabe

Die Entwicklung von Antibiotika hat die Heilungs- und Überlebenschancen von Patienten mit schwersten und lebensbedrohlichen Infektionen dramatisch verbessert.

Die vorbeugende Gabe von Antibiotika trägt bei einer Reihe von Operationen wesentlich zur Reduktion postoperativer Wundinfektionen bei. Gleichzeitig birgt ihr unkritischer Einsatz das Risiko, dass antibiotika-empfindliche Keime zwar abgetötet werden, sich antibiotika-resistente Keime aber dafür umso konkurrenzloser vermehren können.

Um diesem Problem, das auch zunehmend ins öffentliche Bewusstsein rückt, begegnen zu können, haben mehrere medizinische Fachgesellschaften in Deutschland bereits 2013 wissenschaftlich gut begründete Empfehlungen für Strategien zur Sicherung einer gezielten rationalen Anwendung von Antibiotika im Krankenhaus erarbeitet und in einer methodisch hochwertigen Leitlinie zusammengefasst.

»Rational« bedeutet in diesem Zusammenhang die Auswahl des für die Behandlung der Infektion wirksamen Antibiotikums basierend auf krankenhauseigenen Daten zur aktuellen Resistenzlage sowie die Verabreichung in der erforderlichen Dosis auf dem geeigneten Weg (als Tablette oder Infusion). Auch die Entscheidung über die Therapiedauer beruht auf objektivierbaren Daten – Entzündungsparametern im Blut des Patienten.

Dr. Frank Thölen, M.A.

Bereichsleiter Medizin

CLINOTEL-Krankenhausverbund

Studien bestätigen Wirksamkeit konsequenter Strukturen und inter­disziplinärer Konzepte

Antibiotic Stewardship

Ein wichtiges Element dieser Strategien, in der Fachsprache auch als »Antibiotic Stewardship« bezeichnet, ist die Beratung der behandelnden Ärzte durch ein speziell ausgebildetes Team von Vertretern mehrerer medizinischer Fachdisziplinen und Krankenhausapothekern.

Der Aufbau dieser Strukturen erfordert gezielte Investitionen der Krankenhäuser. Wissenschaftliche Studien zeigen jedoch, dass sich durch ein konsequentes Antibiotic Stewardship nicht nur die Qualität der Antibiotikatherapie verbessert, sondern auch ihre Kosten und die Entwicklung resistenter Keime positiv beeinflusst werden.
 

Kompetenz im Verbund: rationale Antibiotikatherapie

Die Projekte der Kliniken des Landkreises Lörrach und der Katholischen Kliniken Ruhrhalbinsel zur Behandlung von Patienten mit ambulant erworbener Pneumonie bzw. zum Antibiotic Stewardship geben einen Einblick in die praktische Umsetzung evidenzbasierter Leitlinienempfehlungen in den Arbeitsalltag eines Krankenhauses. Sie stehen stellvertretend für die vielfältigen Aktivitäten der Mitgliedshäuser des CLINOTEL-Krankenhausverbundes auf dem Gebiet der rationalen Antibiotikatherapie.

Vergleichende verbundinterne Auswertungen
Die CLINOTEL-Geschäftsstelle stellt darüber hinaus monatlich über die verbundinterne Qualitätssicherung mit Routinedaten (QSR) vergleichende Auswertungen zur Verfügung, die auch Sterblichkeitsraten bei bestimmten Infektionen, etwa der ambulant erworbenen Pneumonie oder der Sepsis (umgangssprachlich »Blutvergiftung«), enthalten. Die Mitgliedshäuser können auf diese Weise über den verbundinternen Vergleich die Wirksamkeit ihrer Aktivitäten besser einordnen.

Kollegiale Auditverfahren
Die rationale Antibiotikatherapie und der Schutz der Patienten vor nosokomialen Infektionen sind auch Gegenstand des seit nunmehr fast zehn Jahren etablierten CLINOTEL-Auditverfahrens, etwa im Bereich der Intensivmedizin.

Expertengruppe Hygiene
Weitere Impulse gibt die CLINOTEL-Expertengruppe Hygiene, an der sich Fachleute aus allen Mitgliedshäusern beteiligen. Aktuell arbeitet die Fachgruppe an der Definition geeigneter Indikatoren, anhand derer sich messbare medizinische Ziele für den Verbund formulieren lassen. Zu diesem Zweck werden die aktuellen Auswertungen der QSR voraussichtlich um vergleichende Statistiken des Antibiotikaverbrauchs ergänzt werden.


Die hier skizzierten Aktivitäten zeigen, dass die Mitgliedshäuser des CLINOTEL-Krankenhausverbundes sich nicht mit dem Erreichten zufriedengeben, sondern Patientensicherheit gezielt und kontinuierlich weiterentwickeln. Sie leben das Motto des Verbundes »Von den Besten lernen, zu den Besten gehören«.

05 | 2017
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