Medizin | Pflege

Prehabilitation: optimale Vorbereitung für die Gelenkoperation

Mit einer Reha können die meisten Menschen etwas anfangen. Doch was ist eine Preha? – Der Begriff Prehabilitation steht für den Aufbau von Muskulatur und für die Stärkung des Kreislaufs vor einer Operation. Das spezielle Trainingsprogramm hilft Patientinnen und Patienten dabei, gestärkt in einen Eingriff hineinzugehen und sich hinterher schneller wieder zu erholen.

Die Klinik für Orthopädie und Traumatologie Jugenheim an den Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg mit ihrem Chefarzt Prof. Peter Schräder und der Physiotherapie unter der Leitung von Andreas Bookjans ist eine der wenigen Kliniken in Deutschland, die eine mehrwöchige Prehabilitation inklusive einer Ganganalyse anbietet. »Patientinnen und Patienten wird der Genesungsprozess damit deutlich erleichtert. Es geht nach der Operation schneller voran«, erklärt Bookjans.

Sich endlich wieder schmerzfrei bewegen zu können und die eigene Lebensqualität wiederherzustellen – aus diesen Gründen entscheiden sich Betroffene für die Implantation einer Hüft- oder Knie-Endoprothese, also für den Einsatz eines künstlichen Gelenks. Das Ergebnis dieser Operation ist entscheidend vom präoperativen Zustand des Gelenks in Bezug auf Kraft und Beweglichkeit abhängig.

Frank Horneff

Pressesprecher

Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg

Damit beschleunigen wir den Genesungsprozess nach dem Eingriff

Individuell abgestimmtes Trainingsprogramm

Andreas Bookjans und sein Team – darunter zwei Sportwissenschaftler mit spezieller Ausbildung für die Ganganalyse – bieten deshalb ein individuell abgestimmtes drei- bis sechswöchiges Trainingsprogramm an, um die körperliche Verfassung der Patientinnen und Patienten bereits vor der Operation zu steigern und Schmerzen zu verringern. »Damit beschleunigen wir den Genesungsprozess nach dem Eingriff und ermöglichen den schnelleren Wiedereinstieg in die normalen Lebensgewohnheiten«, so Prof. Schräder.

Die Preha startet mit einer Gang- und Bewegungsanalyse. Dafür läuft der Patient im klinikeigenen Ganglabor über eine rund zehn Meter lange Analysestrecke. Er wird dabei von mehreren Kameras aus unterschiedlichen Perspektiven aufgenommen, sodass ein 360-Grad-Blick auf den Patienten möglich ist. Eine im Boden eingelassene Druckmessplatte (Pedobarografie) zeigt zusätzlich das Abrollverhalten des Fußes. Die Auswertung der individuellen Bewegungsmuster inklusive der schmerzbedingten Ausweichbewegungen ermöglicht – trotz bestehender OP-Indikation – die Konzeption eines Kardio-, Koordinations- und Kräftigungsprogramm, das zweimal in der Woche stattfindet.

Elemente der
Prehabilitation

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Gang- und Bewegungsanalyse
mit 360-Grad-Blick und Pedobarografie (Druckmessplatte)
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Konzeption eines
individuellen Kardio-, Koordinations- und Kräftigungsprogramms
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Schulung in postoperativen stationären Alltagsbewegungen, z.B. Nutzung von Gehhilfen

Patientinnen und Patienten starten fitter in die anschließende Rehabilitation

Die Betroffenen werden auch in postoperativen stationären Alltagsbewegungen wie etwa in der Nutzung von Gehhilfen geschult. »Die Patienten fühlen sich besser vorbereitet, weil sie wissen, was auf sie zukommt«, berichtet Andreas Bookjans von den durchweg positiven Rückmeldungen. Der Genesungsprozess geht deutlich schneller voran, und die Patientinnen und Patienten starten fitter in die sich an den Klinikaufenthalt anschließende Rehabilitation.

Nach der Reha gibt es eine zweite Gang- und Bewegungsanalyse, sodass ein Vorher-Nachher-Vergleich der Bewegungsabläufe möglich ist. »Da die meisten Patientinnen und Patienten auch nach der Reha zur ambulanten physiotherapeutischen Weiterbehandlung zu uns kommen, nutzen wir die Ergebnisse der zweiten Analyse, um zielgerichtet an noch bestehenden Defiziten arbeiten zu können«, erläutert Andreas Bookjans.

 

Information und
Anmeldung

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Klinik für Orthopädie und Traumatologie Jugenheim
Telefon
06257 508391
physikalische-therapie-ju@kreiskliniken-dadi.de
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Chefarztsekretariat
Prof. Peter Schräder
Telefon
06257 508196

11 | 2020
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Frank Horneff

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