Medizin | Pflege

Pflegeberufe attraktiv für den Nachwuchs

»Mitarbeiterförderung beginnt schon vor der Ausbildung«, so Pflegedirektor Ludger Risse. Die beiden Krankenhäuser in Lünen und Werne sind mit Praxisanleitern, Auszubildenden und auch Jahrespraktikanten bei jeder Gelegenheit in den Schulen präsent. Selbst in einer Veranstaltung mit dem Titel »Perspektive Technik« waren Krankenhausmitarbeiter mit den Pflegeberufen in den Schulen. Eine gute Gelegenheit, mit Klischees aufzuräumen und die vielfältigen Seiten der Pflegeberufe zu demonstrieren.

»Besonders stolz sind wir darauf, dass wir in den Rückmeldungen der Schüler als der interessanteste Stand bewertet wurden«, so Melanie Schneider, Pflegedienstleiterin, die bei diesen Terminen stets dabei ist und alles koordiniert. Aber die beiden Krankenhäuser setzen nicht nur auf Infoveranstaltungen. Allein im Werner Krankenhaus erlebten 2015 über 100 Praktikantinnen und Praktikanten die ersten Schritte ins Berufsleben.

Ein weiterer wichtiger Aspekt sind für den Pflegedirektor die richtigen Ausbildungsbedingungen für die Schülerinnen und Schüler, die ihre Ausbildung im Westfälischen Ausbildungsinstitut für Gesundheitsberufe Lünen e.V. absolvieren und in Werne praktisch ausgebildet werden. »Sie müssen nicht nur zufrieden sein, sondern vielmehr zu Markenbotschaftern werden. Das klingt banal, ist es im Detail aber nicht!«, so Risse.

Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege

Wie attraktiv sind das St.-Marien-Hospital Lünen und das St. Christophorus-Krankenhaus Werne wirklich für junges Pflegepersonal? Eine Frage, die vor Ort bis 2015 nur aus dem persönlichen Gefühl heraus beantwortet werden konnte. Um aber wirklich zu wissen, wie zufrieden die junge Generation mit der Arbeit und den Bedingungen in den Häusern ist, wurde eine umfassende Befragung der Pflegeprofis unter 36, einschließlich der Oberkursschüler, durchgeführt. Die Befragung wurde zusammen mit der Altersgruppe konzipiert, bewertet und Handlungsbedarfe identifiziert. Anfang 2016 beginnt die Umsetzung des ersten Paketes.

Ludger Risse

Pflegedirektor

St. Christophorus-Krankenhaus

Das Mentorenprojekt ermöglicht es Pflegefachpersonen Führung und Führungsaufgaben kennenzulernen

Das Mentorenprojekt ermöglicht es Pflegefachpersonen Führung und Führungsaufgaben kennenzulernen

Impulse für die Führung von morgen

In diesem Projekt wird es jungen Pflegefachpersonen ermöglicht, Führung und Führungsaufgaben kennenzulernen und unter der Betreuung eines »Führungsmentors« zu erproben. Das Konzept ähnelt einem Trainee-Programm und ist für 11 bis 12 Monate konzipiert. Am Ende soll für 2 Monate die Leitung übernommen werden und der jeweilige Mentor bleibt im Hintergrund. Begleitend finden Schulungen und Online-Learning statt, beispielsweise zu Themen wie Dienstplanung oder Kommunikation. Begleitet werden die Gruppe sowie die Führungsmentoren von einem externen Berater. Am Ende können alle fünf Teilnehmer und Teilnehmerinnen frei entscheiden, ob sie sich weiter für Führungsaufgaben qualifizieren möchten.  

Akademische Innovation Pflege (AIP) 

Wissenschaftlich reflektierende Pflegepraxis umzusetzen, ist ein Ziel dieser hausübergreifenden frisch gegründeten Arbeitsgruppe. 14 Pflegefachpersonen mit unterschiedlichen Studienschwerpunkten haben sich hier zusammengefunden. Es sind sowohl Studenten und Studentinnen, teils am Ende eines dualen Studiums, aber auch erfahrene Pflegefachkräfte, die ein Studium pflegewissenschaftlich oder mit Schwerpunkt Management absolvieren oder abgeschlossen haben.
Es geht auch darum, Wissen und Erfahrungen miteinander auszutauschen und gemeinsam Konzepte zu erstellen, wie Ängste und Vorurteile bei den Kolleginnen und Kollegen abgebaut werden können. Die erste Modellstation, an der Pflegewissenschaft und Pflegemanagement gemeinsam wirken, wird im April an den Start gehen.

Weitere Teilprojekte für die Nachwuchskräfte in den beiden Krankenhäusern:

IMPULS(e) für die Führung von morgen

IMPULS(e) Akademische Innovation Pflege (AIP)

Sarah Behling erhält Pflegemanagement-Award für Nachwuchsführungskräfte

Die 26-jährige Sarah Behling ist ein Beispiel für die erfolgreiche und konsequente Nachwuchsgewinnung im Werner Krankenhaus. Sie war schon als Auszubildende im St. Christophorus-Krankenhaus tätig. Mit viel Eigeninitiative hat sie die Ausbildung zur Wundmanagerin absolviert. Anschließend hat sie berufsbegleitend das Pflegemanagement-Studium aufgenommen. Inzwischen ist sie stellvertretende Stationsleiterin, Leitende Wundmanagerin und begleitet die PKMS-Umsetzung im gesamten Haus.

Sarah Behling wurde im Rahmen des Pflegekongresses in Berlin der Pflegemanagement-Award für Nachwuchsführungskräfte verliehen. Die Auszeichnung überreichte Peter Bechtel, der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands Pflegemanagement. Unter 30 Nominierten aus allen Bundesländern erzielte Sarah Behling den 1. Platz. Pflegedienstleiterin Melanie Schneider hat Sarah Behling nominiert und musste sich den Fragen der Juroren in einem schriftlichen Interview stellen.

Engagement, Kreativität, soziale und fachliche Kompetenz – und dabei das Einfühlungsvermögen nicht aus den Augen verlieren

Ausgeschrieben war die besonders anerkannte Auszeichnung des Pflegemanagement-Awards für Nachwuchsführungskräfte, die sich mit Engagement, Kreativität, sozialer und fachlicher Kompetenz für die Stärkung der Position ihrer Profession einsetzen und dabei das für ihren Beruf so wichtige Einfühlungsvermögen nicht aus den Augen verlieren. Entscheidend war zudem, welcher Beitrag zur Verbesserung der Patientenversorgung geleistet wurde. Pflegedirektor Ludger Risse, der üblicherweise der Jury angehört, hat für dieses Jahr das Amt des Juroren ruhen lassen, um jegliche Befangenheit von vorneherein auszuschließen. Der Jury gehören namhafte Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Pflegemanagement sowie aus der Fachpresse von Springer und Thieme an. Erstmalig hat sich auch Staatssekretär Karl-Josef Laumann als Juror beteiligt.

06 | 2016
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