Medizin | Pflege

Pathway to Excellence® – eine strategische Entscheidung

Im Rahmen seiner strategischen Ausrichtung auf Maßnahmen zur erfolgreichen Behauptung im Wettbewerb wurde das Klinikum Bamberg, Teil der Sozialstiftung Bamberg, im November 2015 als erstes Klinikum Europas von der internationalen Pflegefachgesellschaft ANCC (American Nurses Credentialing Center) in das zertifizierte Pflegequalitätsprogramm Pathway to Excellence® aufgenommen. Damit wird die ohnehin schon bestehende Magnetwirkung des Hauses auf Patienten und kompetente Mitarbeiter nochmals systematisch verstärkt. Hiervon ist auch Staatssekretär Karl-Josef Laumann, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange der Patientinnen und Patienten und Bevollmächtigter für Pflege, überzeugt – er übernahm deshalb im Mai 2016 die Schirmherrschaft für das Programm.

Der Erfolg eines Krankenhauses hängt maßgeblich davon ab, ob es seiner Führung gelingt, für alle Anspruchsgruppen (zum Beispiel Patienten, Angehörige und zuweisende Ärzte) den positiven Unterschied täglich erlebbar zu machen. Entsprechend gilt es, in diesen drei Leistungsbereichen nach Exzellenz zu streben:

  • in der medizinischen und pflegerischen Qualität (Kernkompetenz)
  • in der Gestaltung des Ambientes (bauliche Ausstattung und Atmosphäre)
  • in der Beziehungsgestaltung zum Patienten (Kommunikation, Empathie, Vertrauen)

Die Mitarbeiter des Pflege- und Funktionsdienstes versorgen im Bamberger Klinikum jährlich rund 43.000 stationäre und 120.000 ambulante PatientInnen. Zu Führung, Zusammenarbeit und Pflegekompetenz liefert das im Jahre 2012 von der Pflegedirektion erstellte Grundsatzpapier und Pflegekonzept nicht nur strategische Eckpunkte, sondern auch klare Kriterien als tägliche Arbeits- und Handlungsgrundlage. Kriterien der Beziehungsgestaltung, sowohl in der Interaktion zwischen Pflegekräften und Patienten/Gästen, als auch unter Mitarbeitern speisen sich aus dem gelebten Menschenbild der Beteiligung, des Autonomiestrebens, der Gestaltungsspielräume und der Achtsamkeit. Diese Werte bilden ebenso im Pathway to Excellence® die Basis für Entwicklung und Zukunftsfähigkeit im Streben um Patientenzufriedenheit, um die besten Pflegekräfte und einen insgesamt hervorragenden Ruf eines Krankenhauses. Die strategische Entscheidung von Vorstand, Pflegedirektor und allen Mitgliedern der Unternehmensleitung, die Aufnahme in das ANCC-Pflegequalitätsprogramm zu beantragen, war also nur konsequent.

Andreas Schneider, MBA

Direktor Pflege und Patientenmanagement

Sozialstiftung Bamberg

Die ersten Schritte zum Pathway

Eine sorgfältige Analyse im Team der Pflegedirektion ergab im Jahr 2014, dass es derzeit weltweit kein anderes zertifiziertes Förder- und Qualitätsprogramm gibt, welches mit evidenzbasierten Standards auf die Berufsgruppe Pflege zugeschnitten ist. Die Chancen-Risiko-Abwägung warf einige Themen auf, die bearbeitet wurden: Warum sollte ein Klinikum in Deutschland mit der amerikanischen Fachgesellschaft kooperieren? Die Vergleichbarkeit unterschiedlicher Gesundheitsversorgungssysteme und Berufshistorien im Pflegedienst beider Länder kommt schnell an Grenzen. Was und wie lässt sich voneinander lernen?
Die hohe Reputation des ANCC hat in Bamberg überzeugt: Als Institut der ANA (American Nurses Association) und Mitglied des ICN (International Council of Nurses) werden dort seit Jahrzehnten internationale Maßstäbe zu den Themen Leadership und Pflegequalität gesetzt. So wurde und wird beispielsweise die Pflegewissenschaft und damit auch die Pflegediagnostik (NANDA-Taxonomie) vorangetrieben, was sich in jedem Curriculum deutscher Pflegeschulen und Universitäten als Standard findet.
Die Mitglieder der Pflegedirektion führten daraufhin die vom ANCC zur Verfügung gestellte Selbstbewertung der Ist-Situation anhand eines 42 Fragen umfassenden Kataloges zu den Themen Führung, Arbeitsumfeld der Pflegenden, pflegerische Gestaltungsmöglichkeiten, organisationale Struktur- und Prozesskriterien sowie evidenzbasiertes Pflegen durch. Es wurde insgesamt ein bereits sehr hoher Erfüllungsgrad in den Themenfeldern festgestellt – das machte Mut und spornte an, an die ebenfalls identifizierten Defizite mit sportlichem Ehrgeiz heranzugehen. Es folgte ein einwöchiger Aufenthalt in den USA, um auch direkt vor Ort gezielt (und unangemeldet!) mit amerikanischen Kollegen in den Kliniken ins Gespräch zu kommen, ihre Haltung und Arbeitsbedingungen zu erleben. Daneben gab der Besuch der MAGNET-Conference aufschlussreiche Einblicke, wie gut Verbesserungsprozesse für Patienten und Mitarbeiter wirken, wenn sie denn vor und nach den Interventionen mit vorabgestimmten Messgrößen/Gütekriterien definiert werden, also wissenschaftsbasiert erfolgen.
Die Programmdirektorin des ANCC folgte im April 2015 der Einladung zum Besuch im Klinikum Bamberg, um weitere Details zu besprechen, mit Pflegekräften auf den Stationen in Kontakt zu kommen und die Zugangsvoraussetzungen zu reflektieren – mit gutem Resultat. Im November 2015 erfolgte dann der positive Bescheid zur Aufnahme in den Zertifizierungsprozess.

Alle Mitarbeiter wurden zu allen Schritten der Vorbereitung fortlaufend über den Sachstand informiert, die Kontroverse wurde in Diskussionen mit ihnen angeregt und die Ergebnisse in das weitere Vorgehen einbezogen.

Was seitdem inhaltlich passiert

Haltung beweist sich in Handlung: Um die oben beschriebenen Werte nun auch im Rahmen des Pathway-Programms durch konkretes Handeln begreifbar zu machen, wurde das Thema auch als eines von sieben Jahreszielen im Pflegedienst 2016 fixiert: Jedes Pflegeteam ist eingeladen, sich bis Jahresende einem konkreten Verbesserungsprozess im Rahmen der übrigen Jahresziele und anhand eines der vom ANCC definierten zwölf evidenzbasierten Practice-Standards zu stellen. Damit ist sichergestellt, das komplementäre Zielbeziehungen im Unternehmen bestehen, und es soll wiederum deutlich werden, dass es im Rahmen des Pathway to Excellence® nicht um zusätzliche Arbeit geht, die womöglich nicht einmal der direkten Patientenversorgung zugutekommt. Als Arbeitshilfe wurden mit allen Teams mögliche Themen beispielhaft besprochen und ein nur einseitiges (!) Dokumentationsblatt vorgestellt.

Die Schlüsselrolle in der Kommunikation mit den Teams hat, wie so oft, die Stationsleitung. Es geht für alle Führungsverantwortlichen auf der persönlichen Ebene darum, überzeugt, stolz, begeisternd und lösungsorientiert aufzutreten. Auf der inhaltlichen Ebene ist zunächst zu verdeutlichen, welchen zusätzlichen Nutzen die Patienten und die Mitarbeiter durch das Programm haben.

Staatssekretär Karl-Josef Laumann, Emmi Zeulner (MdB) und Andreas Schneider, Direktor Pflege und Patientenmanagement, Sozialstiftung Bamberg

Staatssekretär Karl-Josef Laumann, Emmi Zeulner (MdB) und Andreas Schneider, Direktor Pflege und Patientenmanagement, Sozialstiftung Bamberg

Staatssekretär Karl-Josef Laumann übernimmt die Schirmherrschaft

Im Rahmen eines Festaktes im Mai mit Emmi Zeulner (MdB) und Staatssekretär Karl-Josef Laumann zur Übernahme der Schirmherrschaft wurde allen Pflegekräften im Klinikum auch von den Bundespolitikern großer Dank und Wertschätzung für ihr tägliches Wirken ausgesprochen, das schon jetzt über die Region hinaus bekannt ist – eben ein Magnetkrankenhaus. Dabei wurde auch unterstrichen, dass für den Patienten immer nur das Gesamtergebnis zählt, also Ärzte, Pflegekräfte und alle beteiligten Berufsgruppen kollegial zusammen arbeiten müssen – tradierte Berufsverständnisse haben da keinen Platz mehr.

Wer entscheidet über den Erfolg auf dem Pathway?

Natürlich die Pflegekräfte selbst. Eine Online-Befragung des ANCC zu Themen der zwölf Practice-Standards wird in circa 2 Jahren allen eingeschriebenen Mitarbeitern vorgelegt. Hierbei ist eine Mindestbeteiligung von 60 Prozent obligatorisch, womit nochmals betont wird, dass die breite Beteiligung der Pflegenden ein wesentliches Gütekriterium ist. Generell kann festgehalten werden, dass im Pathway-Programm überwiegend qualitative Parameter in Entwicklungsprozessen betrachtet werden – der Weg wird als Ziel im Sinne einer lernenden Organisation begriffen.
Im Klinikum Bamberg freuen sich die Beteiligten, schon mit der Aufnahme als ANCC-Partner für das Bestehende ausgezeichnet worden zu sein. Gleichzeitig sind sie sicher, für ihre Offensive einen weiteren Beitrag für die Attraktivität des Hauses zu leisten und Belange zur Pflegequalität im Pflegedienst selbst in die Hand zu nehmen – ganz im Sinne einer Befürwortung von Pflegekammern in Deutschland.

06 | 2016
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