Medizin | Pflege

Nachts im Krankenhaus – Nachtcafé für Patienten mit Demenz

Nachts kommt die Unruhe und raubt den Schlaf. Sie treibt über die Gänge, macht orientierungslos, verstärkt Angst und Sorgen. Das gilt besonders für Menschen mit einer Demenz, wenn sie in einem Akutkrankenhaus aufgenommen werden müssen. Die Umgebung ist ungewohnt, die medizinische Behandlung verwirrend und viele Menschen sind fremd. Gerade in den Abend- und Nachtstunden erhöht sich der Betreuungsbedarf für die betroffenen Patienten. Vor diesem Hintergrund ist im Klinikum Gütersloh im Sommer ein neues Projekt gestartet: Das »Nachtcafé« bietet Fürsorge und Beschäftigung für Demenzpatienten und wird von der Bürgerstiftung Gütersloh gemeinsam mit der Erich und Katharina Zinkann-Stiftung mit 126.500 Euro über drei Jahre gefördert.

Ein kleiner gemütlicher Raum ist für das »Nachtcafé« im Klinikum eingerichtet worden. Jeden Abend wird hier geredet, gespielt, gerätselt und natürlich ein Kaffee oder Tee getrunken. »Das Nachtcafé ist nun schon das dritte Projekt zum Thema Demenz, das wir gemeinsam mit dem Klinikum umsetzen können«, sagt Brigitte Büscher, Sprecherin der Bürgerstiftung. »Für unsere Arbeit sind Projekte im Bereich Gesundheit wichtig und um das Thema Demenz möchten wir uns kontinuierlich kümmern.« So sind nun schon seit einigen Jahren geschulte ehrenamtliche Patientenbegleiter unter der Leitung von Demenz-Coach Katja Plock auf den Stationen im Einsatz. Zusätzlich läuft seit zwei Jahren das Bürgerstiftungsprojekt Demenzkoordinator, bei dem sich eine Fachkraft schon bei der stationären Aufnahme um die besonderen Bedürfnisse von demenziell erkrankten Patienten kümmert.

Marie-Kristin Schönknecht

Referentin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Klinikum Gütersloh

Abends und nachts nimmt die Unruhe häufig zu

Die verschiedenen Betreuungsansätze gewährleisten, dass Patienten mit Demenz tagsüber in der Regel adäquat versorgt sind. »Abends und nachts nimmt die Unruhe bei vielen Patienten jedoch zu, sodass eine engere pflegerische Begleitung erforderlich wird«, sagt Katja Plock. »Die Mitarbeiterinnen des Nachtcafés unterstützen durch ihr Angebot die Stationen und bieten den Patienten einen geschützten Rückzugsort.«

Die Demenzfachfrau hat gemeinsam mit Kollegen und der Pflegeleitung des Klinikums das Konzept für das Nachtcafé entwickelt: Die Patienten werden von den Stationen ins Café begleitet, wo geschulte Fachkräfte Zeit und Ruhe haben, um dort auf sie einzugehen.

»Über drei Jahre sichern wir die Finanzierung von Personalkosten und Ausstattung für dieses Projekt mit gut 95.000 Euro«, sagt Katrin Meyer, Projektvorstand der Stiftung. »Besonders gefreut hat es uns, dass wir dank der Erich und Katharina Zinkann-Stiftung die Fördersumme auf über 126.000 Euro erhöhen können. So können wir nicht nur an Wochentagen, sondern auch samstags und sonntags geschultes Betreuungspersonal finanzieren.«

Die Patienten werden ruhiger und können nach dem Besuch besser schlafen

Katja Plock, die das Nachtcafé koordiniert, kann schon von ersten positiven Eindrücken des Projekts berichten, das während der Laufzeit auch wissenschaftlich begleitet wird. »Wir haben bereits rund 500 Menschen im Café betreuen können und es ist schön zu sehen, wie sie sich auf das Angebot einlassen. Auch das Feedback von unseren Kollegen aus der Pflege und von Angehörigen ist äußerst positiv. Die Patienten werden ruhiger und können nach dem Besuch besser schlafen.« Besonders aber freue sie die Reaktion der Patienten: »An einem Abend trafen sich im Café zufällig mehrere Menschen, die früher alle im Chor gesungen haben. Und plötzlich wurde es ein heiterer Abend mit Musik und Gesang, der alle Gäste hat zur Ruhe kommen lassen und vom Unwohlsein in fremder Umgebung abgelenkt hat.«

12 | 2017
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