Interview

MIC-Zentrum Bergisches Land – zertifiziert

Medizin | Pflege
Dr. Clemens StockChefarzt
Evangelisches Krankenhaus Mettmann

Am 10. März dieses Jahres wurde es offiziell bekanntgegeben: Das Zentrum für minimal-invasive Operationen in der Gynäkologie, das MIC-Zentrum Bergisches Land, erhält als bundesweit erste Einrichtung dieser Art das Zertifikat nach DIN EN ISO 9001:2008.

Chefarzt Dr. Clemens Stock, Leiter des MIC-Zentrums Bergisches Land, erläutert die Rahmenbedingungen dazu:

Wie muss man sich das MIC-Zentrum Bergisches Land vorstellen?

Die Zertifizierung als MIC-Zentrum ist Teil des Qualitätsmanagement-Systems innerhalb der gynäkologisch-geburtshilflichen Abteilung des EVK Mettmann. Patientinnen werden mit minimal-invasiven Eingriffen nach den Maßstäben des »plan – do – check – act«-Systems betreut. Das heißt, die Eingriffe werden intern qualitätsgesichert, ausgewertet und gegebenenfalls Verbesserungsmaßnahmen eingeleitet.

Was war die Grundidee hinter dem MIC-Zentrum und dem eigens entwickelten QM-System?

Es wird in Zukunft in Deutschland kaum noch Kliniken geben, die alle Bereiche des Fachgebietes auf hohem Niveau anbieten können. Eine Spezialisierung ist also gefragt. Außerdem bin ich persönlich ein absoluter Anhänger von Qualitätsmanagement-Systemen, weil dadurch alle Interessierten genau wissen, worauf sie sich einlassen, eine verlässliche Qualität erhalten und sicher sein können, dass die angebotenen Prozesse regelmäßig im Sinne einer kontinuierlichen Verbesserung überprüft werden. Was liegt also näher, sich diesen Anforderungen in einer solchen Form (»Schwerpunktsetzung und Qualitätsmanagement«) zu stellen? Mir ist wichtig, dass hinter dem Begriff »Zentrum« nicht nur die operative Fertigkeit einzelner, sondern gleichermaßen Qualität in den Abläufen und Versorgungsstrukturen steht. Dann profitieren unsere Patientinnen am meisten. Ich will kein bloßes Etikett.

Gute Medizin ist heute längst mehr als souveränes Operieren

Anhand welcher Indikatoren lässt sich denn die Qualität der Arbeit des MIC-Zentrums messen?

Interessant sind dabei natürlich vorrangig Parameter, die sich zielgerichtet an den Patientinnen orientieren wie zum Beispiel die stationäre Aufenthaltsdauer oder eventuelle Komplikationsraten. Aber auch der Anteil der endoskopisch operierten Eingriffe wie zum Beispiel die Entfernung einer Gebärmutter im Verhältnis zu allen Gebärmutterentfernungen. Darin liegen wir bereits jetzt bei nahezu 90 Prozent, egal ob es sich um gutartige oder bösartige Erkrankungen handelt. Mittelfristig wollen wir aber auch technische Möglichkeiten schaffen, die Blutverluste oder postoperativen Schmerzen statistisch auszuwerten. Ein weiterer wesentlicher Punkt ist die quartalsweise Ermittlung der Patientenzufriedenheit.

Welche Rolle spielt der CLINOTEL-Verbund hinsichtlich der Qualitätspolitik im MIC-Zentrum Bergisches Land?

Der CLINOTEL-Krankenhausverbund liefert uns regelmäßig Kennzahlen, die mit den sogenannten Verbundzielen abgeglichen werden. Das ist zum Beispiel der Anteil der Gebärmutterentfernungen, die ohne Bauchschnitt operiert werden. Unser Ziel ist es, diesen Anteil möglichst hoch und über dem CLINOTEL-Durchschnitt zu halten. Ein anderes Beispiel ist die kontinuierliche Erhebung der Patientenzufriedenheit durch CLINOTEL. Denn auch dieser Parameter stellt eine zunehmend wichtige Steuerungsgröße dar. In den wenigsten Fällen können unsere Patientinnen den technischen Anspruch und die operative Durchführung als Qualitätsmaß beurteilen, eine Bewertung der ärztlichen, pflegerischen und organisatorischen Rahmenbedingungen und der Hotellerie hingegen schon. Und eine hohe Prozessqualität und gute Kommunikation ist mir ein ebenso wichtiges Anliegen wie gute operative Ergebnisse. Gute Medizin ist heute längst mehr als souveränes Operieren. Das wird ohnehin vorausgesetzt. Und CLINOTEL hilft uns, solche Parameter zu erheben und den Steuerungsprozess vorzunehmen.

Was umfasst das MIC-Zentrum noch?

Einerseits transparente Standards in der Betreuung ambulanter und stationärer Patientinnen, die sogenannten Patientenpfade. Darin sind alle obligatorischen Maßnahmen rund um die Versorgung für Ärzte und Pflegepersonal klar fixiert, was die Informationsweitergabe und die Routine außerordentlich erhöht. In der Schnittstelle mit den niedergelassenen Gynäkologinnen und Gynäkologen sorgen wir für eine zügige Informationsweitergabe durch eine obligatorische Faxmitteilung der OP-Berichte am Folgetag, außerdem erhalten die Einweiser mit dem endgültigen Arztbrief sämtliche Fotodokumente der Operation. Darüber hinaus bieten wir für Zuweiser Operationshospitationen und mindestens einmal jährlich eine Fortbildung an, die die Endoskopie in den Fokus rückt. Intern lege ich sehr großen Wert auf die Qualifikation meiner ärztlichen Kollegen. Wir konnten beispielsweise bereits im ersten Jahr eine Funktionsoberärztin nach MIC-I (1. Qualifikationsstufe der endoskopischen Fachgesellschaft AGE) ausbilden. Zwei weitere Kolleginnen befinden sich in derselben Fortbildung.

Warum der Bereich der gynäkologischen Endoskopie?

Vor allem, da ich persönlich in einem großen Maß von den zahlreichen Vorteilen dieses Zugangsweges überzeugt bin: Die Genesung der Patientinnen verläuft deutlich schneller, die Alltagsbelastung kann zügiger wieder aufgenommen werden, gewisse Komplikationen sind deutlich seltener (zum Beispiel Wundinfektionen, Narbenbrüche), Schmerzen nach der Operation sind geringer und der stationäre Aufenthalt kürzer, und das alles bei gleichen Ergebnissen. Bauchschnitte, besonders bei gutartigen Erkrankungen, sollten in Zukunft, von Ausnahmen abgesehen, den Patientinnen nicht mehr zugemutet werden. Und wir sind als eine der wenigen Kliniken in Deutschland in der Lage, alle gynäkologischen Eingriffe auch endoskopisch vorzunehmen. Unsere stationäre Infrastruktur ermöglicht uns dabei, auch Operationen durchzuführen, die nicht ambulant gemacht werden können oder sollten, um keine Einschränkungen im Ergebnis in Kauf nehmen zu müssen.

Welche Eingriffe nehmen Sie speziell vor?

Neben den gynäkologischen »Standardoperationen« wie Eileiter- und Eierstockoperationen, diagnostischen Bauch- und Gebärmutterspiegelungen bieten wir vor allem alle möglichen Formen von Gebärmutterentfernungen in minimal-invasiver Form an, aber auch gebärmuttererhaltende Eingriffe, etwa zur Entfernung von Myomknoten. Auch die Behandlung von Endometriose hat einen hohen Stellenwert. Spezialisiert haben wir uns zusätzlich auf den Bereich der Senkungs- und Inkontinenzoperationen sowie auf die radikalen Operationsverfahren bei Tumoren der Gebärmutter, einschließlich der zugehörigen Lymphknotenentfernungen.

Blicken wir in die Zukunft: Was sind die nächsten Schritte, die Sie anstoßen möchten?

Meine Planungen für die nächsten nun kommenden Jahre gehen dahin, dass wir die Errungenschaften des MIC-Zentrums im Sinne einer weiteren Spezialisierung sinnvoll ergänzen. Dies betrifft vor allem den Bereich der Urogynäkologie (Senkungs- und Inkontinenzbehandlung) und der Onkologie (Tumorbehandlung), die wir ebenfalls als Qualitätsmanagementsysteme ausbauen und dann nach Möglichkeit zertifizieren lassen wollen. Das Ergebnis soll eine moderne operative Frauenheilkunde sein, in der zertifizierte Schwerpunkte wie Zahnräder ineinandergreifen. Das alles jedoch nie zum Selbstzweck, sondern als gelebte Maßnahmen zum Wohle der Patientinnen und Mitarbeiter.

Vielen Dank für das Gespräch!

06 | 2016
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