Medizin | Pflege

Kinderpsychiatrie. Macht. Schule.

Kinderpsychiatrie. Macht. Schule. – das ist der Name eines gemeinsamen Projekts der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Kindes- und Jugendalters am Martin Gropius Krankenhaus in Eberswalde und des Beratungs- und Unterstützungssystems für Schulen und Schulaufsicht der Landesschulämter des Landes Brandenburg (BUSS). In Eberswalde wurden auf der Abschlussveranstaltung die Ergebnisse von insgesamt rund 60 Schülerinnen und Schülern präsentiert.

»Unsere Klinik ist bemüht, hinsichtlich der seelischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen präventiv wirksam zu sein. Hierbei ist ein für uns wichtiger Ansatzpunkt, die Angst vor Stigmatisierung durch die Kinder- und Jugendpsychiatrie abzubauen«, erläutert der Chefarzt der Klinik, Prof. Dr. Hubertus Adam, das Anliegen. »Daher wurde zusammen mit der Klinikschule das Projekt Kinderpsychiatrie. Macht. Schule. ins Leben gerufen. Beide Systeme, die Psychiatrie ebenso wie die Schule, haben für die Familien, die Kinder und Jugendlichen eine Machtposition inne, sei es durch die gegebene Schulpflicht oder dadurch, dass die Klinik als Helferinstanz hinzugezogen wird. Das kann bei Betroffenen Gefühle von Ausgeliefertsein und einer damit verbundenen Hilflosigkeit auslösen, Gefühle, die zu Angst vor und zur Abwehr der notwendigen Hilfe führen. Eine wichtige Aufgabe ist es daher, Ängste abzubauen, Machtstrukturen infrage zu stellen und Koordinationsstrukturen mit dem System Schule zu entwickeln.«

Andreas Gericke

Leiter Öffentlichkeitsarbeit

GLG Gesellschaft für Leben und Gesundheit mbH

Prof. Dr. Hubertus Adam, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, Leitender Chefarzt im Martin Gropius Krankenhaus

Prof. Dr. Hubertus Adam, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, Leitender Chefarzt im Martin Gropius Krankenhaus

Verantwortungsvoll mit seelischen Problemen anderer umgehen

Im Rahmen des Projekts sollten die Schülerinnen und Schüler den Ort der Kinder- und Jugendpsychiatrie kennenlernen, Berührungsängste abbauen und lernen, verantwortungsvoll mit seelischen Problemen anderer umzugehen. In diesem Sinne fanden im vergangenen Jahr vier Veranstaltungen mit zirka 60 bis 70 Lehrerinnen und Lehrern unterschiedlicher Schulen statt. Deren Ziel war es, die Schulen über die Arbeitsbereiche und Arbeitsweisen der Kinder- und Jugendpsychiatrie zu informieren. Außerdem sind dadurch in den Schulen Projekte im Unterricht zur seelischen Gesundheit von Jugendlichen entstanden.

Schüler präsentieren ihre Ergebnisse bei der Abschlussveranstaltung in Eberswalde

Schüler präsentieren ihre Ergebnisse bei der Abschlussveranstaltung in Eberswalde

Auf der Abschlussveranstaltung am 29.09. kamen im Martin Gropius Krankenhaus Schülerinnen und Schüler aus drei Schulen in Bernau zusammen und stellten ihre Projekte, Arbeiten und Überlegungen zum Thema »Seelische Gesundheit« vor. Nach einer Mittagspause in der Cafeteria gab es vier Workshops zu den Themen »Mobbing«, »Essstörungen«, »Suizidalität« und »Stigmatisierung«. Insbesondere die Gesprächsrunden wurden mit großem Interesse aufgenommen und die Themen leidenschaftlich diskutiert.

Suizidalität bei Jugendlichen ist oft ein Wunsch nach Veränderung

In der Gesprächsrunde zum Thema »Mobbing« wurden eigene Erfahrungen angesprochen, Möglichkeiten der Lösung und die Aufgaben der Kinder- und Jugendpsychiatrie diskutiert. Der Hintergrund für Suizidalität ist bei Jugendlichen oft ein Wunsch nach Veränderung oder eine Flucht aus unerträglicher Situation. Bei Kindern, die zum Beispiel den Verlust eines Elternteils erlitten haben, kann ein Verschmelzungswunsch entstehen, der Wunsch, dem geliebten Elternteil wieder nahe sein zu können. Auch unterdrückte Wut oder eine schwere Identitätskrise spielen häufig eine Rolle.

Das Thema beschäftigte die Jugendlichen intensiv. Ebenso alle Fragen zu Essstörungen und zur Stigmatisierung aufgrund eines Psychiatrieaufenthaltes. In der Gesprächsrunde sollten – auch gemeinsam mit Patienten der Klinik – das Ausmaß von Stigmatisierung in der Region und Möglichkeiten der Klinik, diese abzubauen, angesprochen werden. Eine Wiederholung des Projekts im nächsten Jahr wurde fest vereinbart.

12 | 2016
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