Medizin | Pflege

Hightech-Drohne bringt lebensrettende Medikamente

Notfallmedikamente sicher und schneller als bisher zum Patienten zu bringen, das ist das große Ziel eines Pilotprojekts des Bundesministeriums für Verkehr und Digitalisierung, in dem das Klinikum Ingolstadt mit zahlreichen Projektpartnern kooperiert. Dazu gehört das fünf Jahre alte Technologie-Unternehmen Quantum-Systems, ein Drohnenhersteller.

Schon heute beliefert die Krankenhausapotheke des Klinikums Ingolstadt weitere zehn Krankenhäuser und vier Rettungsdienste. Die Drohne als Transportmittel für Notfallmedikamente soll auf der Strecke zwischen dem Klinikum und dem 30 Kilometer entfernten Krankenhaus Pfaffenhofen getestet werden. Krankenhäuser der Grundversorgung wie die Ilmtalklinik in Pfaffenhofen besitzen keine Apotheke, sondern nur ein begrenztes Lager für Medikamente. Eine Lieferung auf der Straße wird öfters durch Verkehrsstaus beeinträchtigt.

Peter Linhardt, Leiter der Apotheke am Klinikum Ingolstadt, sagt: »Der Lieferprozess bei Notfallmedikamenten ist besonders anspruchsvoll. Zeit ist ein entscheidender Faktor. Es geht darum, einem Unfallopfer einen Gerinnungshemmer so schnell wie möglich zu liefern. Oder das dringend benötigte Antibiotikum so rasch wie möglich zum Patienten zu bringen, um den größtmöglichen Therapieerfolg zu gewährleisten. Aber Sicherheit zählt für uns genauso. Das fängt bei der Überwachung der Kühlkette auch in der Luft an und endet nicht bei der Übergabe an autorisierte Personen.«

Hartmut Kistenfeger

Leiter Unternehmenskommunikation und Marketing

Klinikum Ingolstadt

In der digitalen Auslieferungskette gibt es bislang noch einen systemischen Bruch

Peter Linhardt, Leiter der Apotheke am Klinikum Ingolstadt

Peter Linhardt, Leiter der Apotheke am Klinikum Ingolstadt

Ein standardisierter digitaler Prozess für die gesamte Lieferkette

Mit dem Projekt MEDin Time des Ministeriums soll nicht nur die Drohnentechnik weiterentwickelt werden, sondern ein standardisierter digitaler Prozess für die gesamte Lieferkette entstehen. »Arzneimittel sind in der Regel im Klinikum Ingolstadt bereits digital in einer Datenbank erfasst. Für die Auslieferung von Notfallmedikamenten per Drohne können dort zum Beispiel die zum Empfang befugte Person und die Start- und Landefläche für die Drohne bereits vorgegeben werden«, berichtet Linhardt.

In der digitalen Lieferkette gibt es aber bisher einen entscheidenden Bruch. Wenn eine Klinik ein Notfallmedikament braucht, muss sie uns als Apothekenzentrale anrufen oder faxen. »In einem digitalen Prozess könnten wir dem Arzt standardisiert zusätzliche Informationen wie Bestand oder Alternativen zu dem angefragten Medikament mitliefern, damit er durch einen Apotheker beraten werden kann«, sagt Linhardt.

Pilotprojekt

MEDin Time
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Pilotprojekt des Bundesministeriums für Verkehr und Digitalisierung am Klinikum Ingoldtadt
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Kooperationspartner und Hersteller der Drohne: Quantum-Systems
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Ziel 1
Weiterentwicklung der Drohnentechnik
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Ziel 2
Entwicklung eines standardisierten digitalen Prozesses für die gesamte Lieferkette von Notfallmedikamenten per Drohne
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Drohnen-Flug spart Kosten für die Versichertengemeinschaft

Das Drohnenprojekt hat viele Aspekte: Auch in kleineren Krankenhäusern müssen derzeit Notfallmedikamente vorrätig gehalten werden, deren Haltbarkeit im schlimmsten Fall abläuft, bevor sie verwendet werden. »Deswegen wird die Lieferung von Notfallmedikamenten per Drohne auch zu einer Ersparnis von Kosten für die Versichertengemeinschaft führen«, erwartet Linhardt. Denn Notfallmedikamente sind oft sehr teuer. Zwei Beispiele sind: Das Präparat, um bei Herzinfarkt ein Blutgerinnsel aufzulösen, kostet rund 1.000 Euro. Bis zu drei Mal teurer kann das Medikament sein, um Gerinnungsfaktoren bei Blutern zu ersetzen.

Ob alle Medikamente für den Drohnentransport geeignet sind, bezweifelt Linhardt: »Schwer abzubilden in unserem Projekt ist der Betäubungsmittelprozess, für den besondere gesetzliche Vorschriften gelten. Dabei besteht bei Katastrophenfällen oft auch ein großer Bedarf an Betäubungsmitteln.«

Das Drohnenprojekt am Klinikum ist in ein Forschungsnetzwerk zu sogenannten UAS (unmanned aircraft system) in der Region und darüber hinaus eingebettet. An dem Projekt sind auch die Technische Hochschule Ingolstadt, die Universität der Bundeswehr München, das Bayerische Rote Kreuz und der Landkreis Pfaffenhofen a. d. Ilm beteiligt.

11 | 2021
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