Medizin | Pflege

GPR Klinikum betreibt Medizinische Versorgungs­zentren an fünf Standorten

Bereits seit längerer Zeit gestaltet sich die Nachfolgeregelung für Haus- und Fachärzte, die aus ihrer Tätigkeit ausscheiden, als schwierig. Dies gilt zwischenzeitlich nicht mehr nur für ländliche Regionen. Auch in der Region des nördlichen Landkreises Groß-Gerau zeichnet sich eine weitere Verschärfung dieser Problematik ab.

Nach Informationen der Kassenärztlichen Vereinigung verteilten sich 2015 insgesamt 148 Hausärzte im Landkreis Groß-Gerau. Im Jahr 2015 suchten altersbedingt bereits 31 Hausärzte eine Nachfolge, im Jahr 2017 werden es bereits 50 Hausärzte und im Jahr 2020 voraussichtlich 64 Hausärzte sein, wenn diese ihre Praxis mit 65 Jahren abgeben.

Das GPR Gesundheits- und Pflegezentrum Rüsselsheim betreibt mittlerweile an fünf Standorten Medizinische Versorgungszentren in einem Umkreis von 12 Kilometern um das GPR Klinikum. An drei dieser Standorte, die nicht in unmittelbarer Nähe zum GPR Klinikum liegen, wurden Hausarztpraxen übernommen und dort angestellte Ärzte des GPR Klinikums etabliert.

»Unser Ziel ist es nicht, möglichst viele Praxen zu übernehmen. Wir orientieren uns am Bedarf. Wenn eine Unterversorgung in der Region droht, engagieren wir uns natürlich gern, um die medizinische Versorgung der Bürgerinnen und Bürger vor Ort sicherzustellen. Die MVZ sollen auf keinen Fall eine Konkurrenz für die niedergelassenen Ärzte darstellen. Es geht zumeist um Praxen, bei denen Ärzte in den Ruhestand gehen, erkranken oder große Investitionen scheuen. Das GPR Gesundheits- und Pflegezentrum Rüsselsheim wirkt mit dem Weiterbetrieb dieser Praxis aktiv dem anhaltenden Rückgang an Hausärzten entgegen«, erklärt Stefan Keller, Prokurist des GPR Medizinischen Versorgungszentrums.

Joachim Haas

Mitarbeiter für Unternehmenskommunikation

GPR Gesundheits- und Pflegezentrum Rüsselsheim

Drohender Unterversorgung für die Region entgegenwirken

Das GPR Klinikum arbeitet zudem an einem Projekt mit, das der drohenden Unterversorgung durch ausscheidende Hausärzte entgegenwirken soll. Für die an einer Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin interessierten Ärztinnen und Ärzte ist eine strukturierte und zeitlich klar umrissene, planbare Weiterbildung von hohem Interesse. In vielen Fällen wird die Mindestweiterbildungsdauer jedoch signifikant überschritten, da keine verbindliche Planung für die gesamte Weiterbildungsdauer möglich ist und es so zu Verzögerungen in, respektive zwischen den einzelnen Weiterbildungsabschnitten kommt. Zudem muss jeder Abschnitt der Weiterbildung durch die angehenden Hausärztinnen und Hausärzte mit hohem Aufwand und in der Regel ohne Unterstützung organisiert werden.

Niedergelassene Praxen fördern frühzeitig den kollegialen Nachwuchs

Diesem Problem will der Weiterbildungsverbund Allgemeinmedizin Rhein-Main entgegenwirken. Das GPR Klinikum hat diesen Weiterbildungsverbund gemeinsam mit dem Verein Ärzte mit Zukunft – Förderverein Ärztenetz Rhein-Main e. V. gegründet. Das Ärztenetz Rhein-Main und das GPR Klinikum Rüsselsheim haben gemeinsam ein entsprechendes Verbundkonzept erarbeitet, mit dem die Weiterbildungsaktivität und -attraktivität gegenüber dem »Standard« deutlich erhöht wird. Niedergelassene Praxen fördern frühzeitig den kollegialen Nachwuchs und können sowohl für sich als auch ihre Patienten diverse Vorteile mit Blick auf eine perspektivische Praxisnachfolge gewinnen.

Der Weiterbildungsverbund plant mit den zukünftigen Hausärztinnen und Hausärzten gemeinsam inhaltlich sowie zeitlich ihr persönliches Weiterbildungscurriculum und erstellt einen Ablaufplan über die gesamte Weiterbildungsdauer. Eine Weiterbildung im Verbund garantiert eine inhaltlich und zeitlich strukturierte Gestaltung der Ausbildungsinhalte. Sie erstreckt sich auf insgesamt fünf Jahre statt der bisher durch Unterbrechungen häufig erforderlichen neun Jahre. Damit müssen interessierte Ärztinnen und Ärzte ihre Weiterbildung nicht mehr ohne Unterstützung in Eigenregie organisieren.

Wir wollen uns für die sichere hausärztliche Versorgung der Bevölkerung engagieren

Achim Neyer, Geschäftsführer des GPR

Doch nicht nur der hausärztliche Nachwuchs findet hier Unterstützung. Ihre Praxis und das eigene Lebenswerk in guten Händen zu wissen, ist für viele Niedergelassene am Ende ihrer beruflichen Laufbahn eine große Herausforderung. Der Weiterbildungsverbund Allgemeinmedizin Rhein-Main unterstützt sie bei der Suche nach einer geeigneten Nachfolgerin oder einem geeigneten Nachfolger, um damit auch zukünftig die Versorgung der Patienten sicherzustellen.

Achim Neyer, der Geschäftsführer des GPR, weist auf die Notwendigkeit einer weitreichenden Sicherstellung der medizinischen Versorgung in der Region hin: »Wir wollen uns dafür engagieren, dass in Zukunft die hausärztliche Versorgung der Bevölkerung gesichert ist. Das GPR Klinikum als Weiterbildungsstätte für den stationären Teil und das Ärzte mit Zukunft – Förderverein Ärztenetz Rhein-Main e. V. bieten daher interessierten Praxen umfangreiche Hilfe bei der Suche nach einem geeigneten Nachfolger an. Zusätzlich zu den finanziellen und strukturellen Unterstützungen, die durch die Kassenärztliche Vereinigung Hessen angeboten werden, können gemeinsame Überlegungen angestellt werden, welche Maßnahmen notwendig sind, um die jeweilige Praxis für eine Übernahme attraktiv zu machen.«

Weiterbildungsverbund Allgemeinmedizin Rhein-Main
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Gegründet vom GPR Klinikum
gemeinsam mit dem Verein »Ärzte mit Zukunft«

Will der drohenden Unterversorgung
durch ausscheidende Hausärzte entgegenwirken

Erarbeitet individuelle Weiterbildungscurriculae für Hausärzte
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Weitere Informationen
weiterbildungsverbund-rhein-main.de

05 | 2017
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