Medizin | Pflege

Einsatz für Menschen mit Demenz

Benjamin Volmar ist nah dran an Patienten, die der besonderen Fürsorge bedürfen – Menschen mit Demenz. Denn besonders für sie kann ein Krankenhausaufenthalt verwirrend sein: Fremde Zimmer, Flure und Menschen führen oft zu einer Verschlechterung der Symptome. Häufig brauchen sie länger, wenn sie sich zum Beispiel von einem Beinbruch erholen müssen und die Demenzerkrankung gar nicht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht. Ärzte und Pflegekräfte können dieser Herausforderung in einem Akutkrankenhaus kaum gerecht werden. Darum ist im Klinikum Gütersloh ein sogenannter Demenzkoordinator tätig. Diese Stelle ist in Kooperation mit dem LWL-Klinikum geschaffen worden und wird von der Bürgerstiftung Gütersloh finanziert. Die Aufgaben des Demenzkoordinators machen eine neue, akademisch geprägte Rollenentwicklung des Pflegeberufs deutlich.

Täglich besucht Demenzkoordinator Benjamin Volmar die verschiedenen Stationen des Klinikums. Er erkundigt sich bei den Pflegenden nach Patienten, die durch ihr Verhalten auf eine Demenz oder einen Verwirrtheitszustand (Delir) schließen lassen. Als speziell ausgebildete Fachkraft macht er sich dann ein eigenes Bild des Patienten, stellt gezielte Fragen und führt leitliniengetreue Tests durch.

Benjamin Volmar

Demenzkoordinator

Klinikum Gütersloh

Marie-Kristin Schönknecht

Referentin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Klinikum Gütersloh

Der Demenzkoordinator ist eine große Unterstützung für unser Klinikum

Pflegedirektor Jens Alberti

»Benjamin Volmar ist als ausgebildeter Krankenpfleger mit einem Arbeitsschwerpunkt in der Altersmedizin und nach dem Studium der Psychiatrischen Pflege eine große Unterstützung für das Klinikum«, sagt Pflegedirektor Jens Alberti. »Das Projekt hat Vorbildcharakter für andere Krankenhäuser.« Patienten mit einer Demenz oder einer Tendenz zu einem Delir können frühzeitig erkannt und ihren Bedürfnissen entsprechend umfassend behandelt werden. Darüber hinaus analysiert der Demenzkoordinator die strukturellen und organisationsbedingten Gegebenheiten des Krankenhauses und entwickelt so die qualitative Behandlung der betroffen Menschen weiter. Zudem werden die Ärzte und Pflegenden durch den Demenzkoordinator geschult und sensibilisiert.

Die Arbeit des Demenzkoordinators zeigt, dass in Deutschland die Entwicklung von pflegerischer akademischer Expertise auch in Handlungsfeldern der direkten und unmittelbaren Patientenversorgung stattfindet. »2012 forderte der Wissenschaftsrat eine Akademisierung der Pflegeberufe, um im beruflichen Alltag neue Rollenbilder in der Versorgung von erkrankten und pflegebedürftigen Menschen zu etablieren. Ich nehme als Demenzkoordinator eine vorausschauende Rolle in der Patientenversorgung wahr, die eine eigenverantwortliche Versorgung und Betreuung von an Demenz erkrankten Personen umfasst. Dabei bieten sich zahlreiche unterschiedliche Gestaltungsräume und -möglichkeiten für eine pflegerische Tätigkeit auf akademischem Niveau«, sagt Benjamin Volmar.

Ich nehme als Demenzkoordinator eine vorausschauende Rolle in der Patientenversorgung wahr

Benjamin Volmar

So vermittelt er beispielsweise sowohl dem Behandlungsteam als auch den betroffenen Patienten und deren Angehörigen Kenntnisse zu den Krankheitsbildern Demenz und Delir. Zudem identifiziert er im direkten Kontakt Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen und bietet den Betroffenen Beratungsangebote sowie die Vermittlung von weiterführenden Versorgungsangeboten an. Dazu gehört beispielsweise auch der Besuch von einem der rund 30 ehrenamtlichen Demenzbegleiter, die von Demenz-Coach Katja Plock ausgebildet wurden und die sich rund eine Stunde lang intensiv mit demenziell erkrankten Menschen beschäftigen. Für die Zukunft ist außerdem ein Nachtcafé geplant, in dem Patienten mit der Nebendiagnose Demenz in den Abendstunden betreut werden.

Auch Maßnahmen wie Medikation oder Essensbegleitungen bespricht Demenzkoordinator Benjamin Volmar mit den Ärzten und Pflegenden. »Häufig werde ich auch hinzugezogen, wenn die Versorgungssituation unklar oder problematisch ist. Ich stehe dabei den professionellen Akteuren genauso beratend zur Seite wie den Betroffenen und dem sozialen Umfeld des Patienten«, so Volmar. Wichtig sei es ebenso, dass diese Patienten von so wenigen Mitarbeitern wie möglich betreut würden. Von der Aufnahme bis über die Entlassung hinaus werden so die Besonderheiten von Menschen mit Demenz berücksichtigt. »Auf diese Weise können wir den Betroffenen mehr Stabilität in der fremden Umgebung Krankenhaus bieten«, sagt Volmar.

12 | 2016
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