Führung | Strategie

Landkreis Hersfeld-Roten­burg kauft private Spezialklinik

Politisch ist es eine Entscheidung gegen den Trend: Während Städte und Landkreise sich derzeit von ihren kommunalen Kliniken trennen, geht man in Hersfeld-Rotenburg (Nordosthessen) den gegenteiligen Weg: Durch das zu 100 Prozent kreiseigene Klinikum Bad Hersfeld hat man hier das bislang private Herz-Kreislauf-Zentrum im nahen Rotenburg an der Fulda erworben.

Diese von allen politisch Verantwortlichen um Landrat Dr. Michael Koch unterstützte Entscheidung für das bundesweit wohl einmalige Modell findet auch überregional Aufmerksamkeit und Anerkennung. Landrat Koch, zudem Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikums: »Die Entscheidung wird von einer überragenden Mehrheit des Kreistags getragen – über alle Parteigrenzen hinweg. Sie ist die beste Lösung für die Mitarbeiter im HKZ und ein zukunftssicherer Plan für die Gesundheitsversorgung im gesamten Landkreis.«

Bislang bestand die Kliniklandschaft im Kreis aus dem kommunalen Klinikum Bad Hersfeld, dem privatwirtschaftlichen HKZ und dem von der Evangelischen Diakonie Zehlendorf geführten Kreiskrankenhaus Rotenburg. Das HKZ war durch ausbleibende Patienten vor allem aus dem Ausland und durch Managemententscheidungen in finanzielle Schieflage geraten. Medizinisch genießt es noch immer weit über die Grenzen Hessens hinaus einen hervorragenden Ruf.

Werner Hampe

Leitung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Klinikum Bad Hersfeld

Unser strategisches Ziel ist eine kommunale Trägerschaft über alle Krankenhäuser im Landkreis

Ende April nun wurden die letzten formalen Hürden genommen, das HKZ in kommunale Trägerschaft zu überführen. Der Landkreis Hersfeld-Rotenburg übernimmt das private HKZ von der Pergola-Gruppe, einer Kommanditgesellschaft mit circa 800 Anteilseignern. Das Transaktionsvolumen beläuft sich auf circa 100 Millionen Euro in den nächsten zehn bis 15 Jahren. Darin enthalten sind Schuldenübernahme, Kaufpreis und Investitionen in Medizin und Baumaßnahmen. Künftig werden HKZ und Klinikum also einen gemeinsamen Weg gehen und zu einem »Klinikum Hersfeld-Rotenburg« zusammengeführt. Eine verstärkte Zusammenarbeit mit dem Kreiskrankenhaus Rotenburg ist ebenfalls angedacht. Koch: »Unser strategisches Ziel ist eine kommunale Trägerschaft über alle Krankenhäuser im Landkreis Hersfeld-Rotenburg, um künftig in abgestimmten zukunftsfähigen Strukturen Medizin auf hohem Niveau anzubieten.«

Mit dem Kauf des HKZ wurden auch die Strukturen des neuen Klinikverbundes optimiert und an die Größe des neuen Klinikkonzerns angepasst. Ein fünfköpfiges Direktorium, verantwortlich für die Bereiche Medizin, Pflege, Personal, Service und Finanzen des gesamten Unternehmens, führt die Geschäfte künftig vom neu erworbenen Standort in Rotenburg aus.

Das Unternehmen im 120.000 Einwohner zählenden Landkreis sichert mit seinen Krankenhäusern Klinikum Bad Hersfeld – Schwerpunktversorgung, Klinik am Hainberg – Psychosomatische Rehabilitation, Orthopädie Bad Hersfeld – Fachklinik Orthopädie sowie dem Herz- und Kreislaufzentrum Rotenburg und einem MVZ mit zurzeit 16 Facharztsitzen die wohnortnahe medizinische Versorgung der Region. 2.700 Mitarbeiter, darunter 300 Ärzte, versorgen jährlich 40.000 Patienten stationär sowie 70.000 ambulant und das Unternehmen bietet Ausbildungsplätze für circa 150 junge Menschen.

Das HKZ wird als eigene Marke mit überregionalem Ruf im Bereich der Herzchirurgie erhalten bleiben

Gesamtgeschäftsführer Martin Ködding: »Das HKZ wird als eigene Marke mit überregionalem Ruf im Bereich der Herzchirurgie erhalten bleiben. Wir werben nicht nur um Patienten in der Region. Die Spitzenmedizin, die unsere Mediziner in Rotenburg anbieten, ist eine Option für Patienten aus Deutschland und der ganzen Welt.« Derzeit wird von den Geschäftsführern unter Einbindung der Mediziner vor Ort ein zukunftssicheres medizinisches Konzept erarbeitet.

06 | 2016
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