Corona

»Unser Gesundheits­system schafft das – das haben wir eindrucksvoll gezeigt«

Das Land Hessen hat in der Corona-Pandemie frühzeitig und erfolgreich einen Planungsstab etabliert, in dem Beteiligte aus sechs medizinischen Versorgungsregionen koordinierend tätig sind und der den Anforderungen und Strukturen des hessischen Gesundheitssystems gut Rechnung tragen kann. Für das Versorgungsgebiet 6 – Südhessen – ist das Klinikum Darmstadt koordinierendes Haus für 16 Krankenhäuser und Fachkliniken und übernimmt damit in schwierigen Zeiten Verantwortung als größtes Krankenhaus, einzigem Maximalversorger und Haus der höchsten Versorgungsstufe in der Region.

Auf das Klinikum Darmstadt kamen damit vor allem koordinierende Aufgaben zu. Dem Haus wurde »die Versorgung von Covid-19-Patientinnen und -Patienten in ihrem jeweiligen Versorgungsgebiet als besondere Aufgabe im Sinne von § 17 Abs. 7 Satz 3 Hessisches Krankenhausgesetz (HKHG 2011) zugewiesen«, so heißt es im Erlass. Dazu hat der Maximalversorger schnell einen medizinischen Planungsstab gebildet.

Gemeinsam mit den anderen koordinierenden Häusern wurden Konzepte für die Versorgung der Patienten mit und ohne Corona in Hessen erarbeitet. Ziel: die Patienten so zu steuern, dass Covid-19-Patientinnen und -Patienten bei gleichzeitiger Sicherstellung der bestmöglichen Versorgung von Non-Covid-19-Patientinnen und -patienten versorgt werden können. Je nach Schweregrad sollen Covid-19-Erkrankungen dort behandelt werden, wo die geeigneten personellen und infrastrukturellen Voraussetzungen vorhanden sind.

Die Leistungsfähigkeit der Krankenhäuser ist anhand einer definierten Level-Einstufung festgelegt worden. In Abhängigkeit von dem Verlauf der Pandemie – das heißt, mit steigender Anzahl von Corona-Patientinnen und -Patienten – sollen stufenweise die Kapazitäten eskaliert werden, um auch im Katastrophenfall noch Patientinnen und Patienten bestmöglich zu lenken und zu behandeln.

Was sind die Hauptaufgaben des Planungsstabes?

Clemens Maurer: Die Aufgabe geht auf den Erlass des Hessischen Sozialministeriums vom 21. März zurück. Seitdem fungiert das Klinikum Darmstadt als einziger Maximalversorger in Südhessen und als einziges Level-I-Haus als Bindeglied zwischen dem Gesundheitsministerium und dem Versorgungsgebiet 6, das sich von Rüsselsheim und Groß-Gerau über die Kreise Darmstadt-Dieburg, Bergstraße bis in den Odenwald zieht. Hauptaufgabe von uns ist es, die Patienten mit und ohne Covid-19 bestmöglich zu steuern, bei gleichzeitiger Sicherung der bestmöglichen Versorgung. Dazu zählt aber auch die Steuerung der Ressourcen wie etwa Schutzmaterialien. Das heißt, wir haben immer vorausschauend und planend im Blick, ob sich in einem der Häuser die Lage zuspitzt, und können so frühzeitig eingreifen.

Können Sie an einem Beispiel zeigen, wie der Planungsstab arbeitet?

Clemens Maurer: Bei uns im Klinikum Darmstadt laufen für Südhessen alle Fäden zusammen, offene Fragen werden tagesaktuell im klinikum-internen Krisenstab besprochen und wir berichten diese Entwicklungen in enger Taktung über den Planungsstab nach Wiesbaden. So bereiten wir die Themen vor, die das Ministerium dann wieder in Erlasse oder Verordnung umsetzen kann. Für alle Versorgungsgebiete wurden Eskalationsstufen erarbeitet, alle Häuser wurden in Versorgungslevel eingeteilt, für den Fall, dass Erkrankungszahlen exponentiell ansteigen sollten. Jedes Versorgungslevel definiert, welche Versorgung dort geleistet werden kann: Die Krankenhäuser in den Kreisen und kreisfreien Städten zählen zu den Kategorien II – dort gibt es Intensivstationen – und III, dort gibt es eine 24/7 Arztpräsenz.

Prof. Dr. Nawid Khaladj: Über diese neue Rolle und Funktion wachsen wir mit den anderen Häusern im Versorgungsgebiet täglich weiter zusammen. Nicht nur im Austausch über Schutzmaterialien und Kapazitäten von Beatmungsplätzen. Auch medizinisch: In Video- und Telefonkonferenzen aller Intensivmediziner der Südhessischen Krankenhäuser und Fachkliniken werden Fachwissen und Erfahrungen mit dieser neuen Krankheit ausgetauscht. Wir lernen uns gegenseitig besser kennen und können so die Lage und Leistungsfähigkeit immer besser einschätzen, Patienten können so frühzeitig bei Kapazitätsengpässen oder einer Verschlechterung des Zustandes in eine Klinik mit mehr Kapazitäten oder anderen technischen und Behandlungs-Möglichkeiten verlegt werden. Der enge Austausch mit dem Gesundheitsamt, der Feuerwehr und dem Rettungsdienst ist dabei auch sehr wichtig und wertvoll.

Wie ist Südhessen Ihrer Meinung nach aufgestellt, was die Versorgung mit Intensivbetten, Geräten und Schutzausrüstung zur Behandlung von Coronapatienten angeht?

Prof. Dr. Nawid Khaladj: Zu Beginn gab es erhebliche Engpässe – vor allem bei Schutzmaterialien, aber die Lage hat sich deutlich entspannt. Die Kapazitäten in den Krankenhäusern sind heute und für die kommenden Tage und Wochen – solange sich die Ansteckungsraten nicht dramatisch verändern – gut ausreichend. In dem schon existierenden, webbasierten Interdisziplinären Versorgungsnachweis (Ivena), mit dem Rettungsdienst und Krankenhäuser digital miteinander vernetzt werden, wurden schnell für ganz Hessen die aktuellen Kapazitäten von Normal- und Intensivstationsbetten sowie die Reichweiten der Schutzausrüstungen abgebildet. Eine Verordnung des Bundesgesundheitsministers ermöglichte dann auch die tägliche Meldung an ein zentrales Register. Dadurch erhalten wir eine Übersicht in ganz Deutschland.

Wann ist im Klinikum oder im Versorgungsgebiet 6 die Belastungsgrenze erreicht?

Clemens Maurer: Wir alle tun alles dafür, dass in unseren Krankenhäusern keine Situationen entstehen wie in unseren europäischen Nachbarländern. Dies schaffen wir durch den Aufbau unserer Intensiv- und dort vor allem der Beatmungsplätze und durch eine umsichtige und vorausschauende Patientensteuerung in unserem Versorgungsgebiet – so werden Patienten, die der Qualität eines Maximalversorgers nicht mehr bedürfen, in Level-II-Krankenhäuser verlegt, dafür schaffen wir dann im Klinikum Platz für schwere Behandlungsverläufe. Derzeit haben wir im Klinikum Darmstadt 48 Intensivbetten – rund ein Viertel davon ist bisher mit Covid-19-Patienten belegt. Wir können diese Intensivkapazitäten allein im Klinikum auf 110 Betten hochfahren. Dafür haben wir weitere Beatmungsgeräte angeschafft und schulen unser Personal.

Prof. Dr. Nawid Khaladj: Es erfolgt eine enge Abstimmung zwischen den Krankenhäusern im Versorgungsgebiet. Durch die Koordination von Patientenströmen in die Level-II-Kliniken können wir auch weiterhin für alle Notfallpatienten in Südhessen da sein, denn dafür steht das Klinikum eben auch als Haus der höchsten Versorgungsstufe 24/7 bereit. Wir richten uns darauf ein, dass Covid-Patienten in ganz Deutschland in den nächsten Monaten zur Normalität gehören. Daher haben wir Konzepte für die Ausweitung der Infektionsbereiche erstellt. Dabei gilt weiterhin: Das Klinikum ist für alle Patienten da und hat die nötigen Kapazitäten. Durch die Einrichtung von grünen Non-Covid- und roten Covid-Bereichen erfolgt eine strikte Trennung der Patienten und Versorgung durch separate Teams.

 Über den Sonderweg Hessens in der Krise berichten Geschäftsführer Clemens Maurer und Prof. Dr. Nawid Khaladj

Über den Sonderweg Hessens in der Krise berichten Geschäftsführer Clemens Maurer und Prof. Dr. Nawid Khaladj

Klinikum Darmstadt

E-MailDruckenPDF

Corona

Diese Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu gewährleisten. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen, stimmen Sie der Nutzung zu.   » Datenschutzerklärung